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Thur-Areal
Luftaufnahme des Thur-Areals in Lichtensteig, eingebettet in Wiesen und bewaldete Hügel

Bald zwei Jahrhunderte Industriegeschichte

Papier, Textil, Kunststoff, Handwerk. Die Geschichte des Thur-Areals ist eine Geschichte der Umnutzung.

Die Geschichte beginnt am Wasser

Die Geschichte des Thur-Areals beginnt am Wasser. Die Thur lieferte die Kraft, die eine Fabrik im frühen 19. Jahrhundert brauchte, und bestimmte damit, wo in Lichtensteig produziert wurde.

Aus der Papiermühle wurde eine Weberei, aus der Weberei ein Standort im internationalen Textilgeschäft. Dann wurden mehrere Jahre die einzigartigen SNARK Kleinboote Sunflower, Sunracer, Mayflower, Wildflower und Rakker produziert. Auch heute sind die Ersatzteile dieser Boote noch erhältlich.(öffnet in einem neuen Fenster) Parallel zur Bootsproduktion entwickelte sich das Gewerbeareal. Der Ort blieb derselbe, die Arbeit endete sich mehrmals grundlegend.

Im Grundbuch heisst das Grundstück bis heute Hof. Unter diesem Namen taucht das Areal in den Aufzeichnungen zur Gewerbegeschichte Lichtensteigs auf.

Die Fabrik lag immer im Grünen. Familien wohnten direkt neben dem Betrieb, der Fluss gehörte zum Alltag der Menschen, die hier arbeiteten.

  1. 1831

    Papiermühle am Wasser

    Johann Jacob Siebenmann baut eine Papiermühle mit geheizter Appretur, Wasserrad und zwei Kesseln. Der Beginn der industriellen Nutzung des Areals.

  2. 1836 bis 1859

    Zwei Handwechsel

    Die Papierfabrik wechselt zweimal die Hand. Auf Siebenmann folgt Jacob Christoph Hug, danach Jacob Zuber aus Wattwil.

  3. 1859

    Brand

    In der Nacht auf Aschermittwoch brennen Appretur und Papiermühle vollständig ab.

  4. 1864 bis 1865

    Neuer Eigentümer

    Joseph Staehelin-Düll erwirbt das Grundstück und lässt die Brandruine abtragen.

  5. 1866 bis 1868

    Shedbau für die Weberei

    In vier Jahren Bauzeit entsteht ein Webereigebäude, eine der ersten Shedbauten der Schweiz. Escher-Wyss liefert den kompletten Webstuhlpark, die Turbinen und die gesamte Werkstatteinrichtung.

  6. 1869

    120 Webstühle

    120 Webstühle nehmen den Betrieb auf. Um die Jahrhundertwende stellt der Betrieb von Bunt- auf Mousseline-Weberei um.

  7. 1911

    St. Galler Feinwebereien AG

    Die St. Galler Feinwebereien AG übernimmt den Standort und führt ihn über 56 Jahre.

  8. 1937

    Websaal in Eisenbeton

    Ein moderner Websaal in Eisenbeton wird angebaut. Gleichzeitig entstehen Turbinenhaus, Kesselhaus und Werkstattgebäude neu.

  9. 1942 bis 1943

    Fabrikneubau und Hochbau

    Der inzwischen fast achtzigjährige Shedbau ist morsch geworden und wird ausgeräumt. An seiner Stelle entsteht der Neubau mit einem 3400 Quadratmeter grossen Websaal und einem vierstöckigen Hochbau für Büros, Kantine und Wohnungen. Eingeweiht am 8. Juni 1943.

  10. 1947

    Ostbau

    Auf der Ostseite des Fabriktrakts kommt ein weiteres Fabrikgebäude dazu.

  11. 1967

    Burlington Industries

    Burlington Industries aus Greensboro in North Carolina, damals der grösste Textilkonzern der Welt, übernimmt sämtliche Aktien der Stoffel AG und damit auch Lichtensteig.

  12. 1972

    Gründung der Thurotex AG

    Burlington will den defizitären Betrieb schliessen. Betriebsleiter Peter Bächinger gründet daraufhin die Thurotex AG und führt die Produktion auf eigene Rechnung weiter. 1974 kommt die Thurotiss AG mit dem Kreationsatelier dazu.

  13. 1982

    Konkurs

    Im Januar wird der Konkurs eröffnet. 221 Arbeiterinnen und Arbeiter verlieren ihre Stelle, 151 davon wohnen in Lichtensteig. Ein Käufer, der die Weberei weiterführen würde, findet sich nicht.

  14. 1984

    Bootsproduktion und Gewerbezentrum

    Die Konkursverwaltung verkauft die Gebäude an die Plastic AG in Bad Ragaz. Sie nimmt eine eigene Fabrikation der Bootsreihe SNARK auf und produziert über etliche Jahre die bekannten Modelle: Sunflower, Sunracer, Mayflower, Wildflower und Rakker. Es wird die Grundlage für das Gewerbezentrum gelegt.

  15. 1988

    Thuro-Plast AG

    Das Areal geht an die Thuro-Plast AG über, eine Tochterfirma der Plastic AG, und wird seither kontinuierlich weiterentwickelt.

  16. 1996 bis 2007

    Werkstätten, Ateliers und Vereine

    Werkstätten, Lager, Ateliers, Probelokale und Vereinsräume füllen das Areal. Der Budoclub Toggenburg, der Eisenbahnclub Lichtensteig und die Erlebniswelt Toggenburg ziehen ein.

  17. heute

    Rund 16 Betriebe

    Rund 16 Betriebe aus Industrie, Handwerk, Dienstleistung, Kultur und Freizeit nutzen das Areal.

Von den Feinwebereien zur Thurotex

Von 1911 bis 1967 gehörte der Standort der St. Galler Feinwebereien AG. Alfred Stoffel-Saurer sass von 1913 bis 1932 als Delegierter im Verwaltungsrat, ab 1931 führte er den Betrieb auch als Direktor. Die Stoffel AG in St. Gallen war ein Textilunternehmen mit mehreren Produktionsstandorten in der Ostschweiz und einem Handelshaus in St. Gallen.

Im November 1967 übernahm Burlington Industries aus Greensboro sämtliche Aktien der Stoffel AG. Der amerikanische Konzern war damals das grösste Textilunternehmen der Welt. In Lichtensteig führte Betriebsleiter Peter Bächinger den Betrieb weiter, doch der Standort schrieb rote Zahlen. 1972 entschied Burlington, die Fabrik zu schliessen.

Bächinger wollte das nicht hinnehmen. Er gründete die Thurotex AG und übernahm die Produktion im Juli 1972 auf eigene Rechnung. 1974 folgte die Tochterfirma Thurotiss AG, die das Kreationsatelier im Fabrikgebäude auf der Ostseite des Webereitrakts betrieb.

Zehn Jahre hielt sich das Unternehmen. Im Januar 1982 liess sich der Konkurs nicht mehr abwenden. 221 Menschen verloren ihre Arbeit, 151 von ihnen wohnten in Lichtensteig. Für eine Stadt mit damals rund 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern war das ein harter Einschnitt.

Angaben nach den Aufzeichnungen zum Grundstück Hof, Nr. 229, aus der Gewerbegeschichte Lichtensteigs.

Historische Aufnahme der Thurotex auf dem Areal
Die Thurotexbrücke in der alten Zeit

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Ein Areal, das Publikum anzieht

Mit der Eröffnung der Erlebniswelt Toggenburg im Jahr 2003 bekam das Areal eine neue Rolle. Am Eröffnungstag parkierten über 150 Fahrzeuge auf dem Fabrikgelände. Seither kommen regelmässig Besucherinnen und Besucher aus der ganzen Schweiz und aus dem Ausland nach Lichtensteig, um Europas grösste Hobby-Modelleisenbahn in Spur 0, die Puppensammlung, die Motorräder und die weiteren Ausstellungen zu sehen.

Damit trifft auf dem Areal zusammen, was sonst selten nebeneinander steht: eine laufende Produktion und ein Museum mit Publikumsverkehr.

Zur Erlebniswelt Toggenburg(öffnet in einem neuen Fenster)

Die Geschichte geht weiter

Was 1831 mit einer Papierfabrik begann, ist heute ein Areal mit rund 16 Betrieben. Die Gebäude stehen noch, die Arbeit hat sich verändert.

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